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Ein Bad ohne Hindernisse – geht das?

Die Architektin Ursula Fuss kennt sich aus mit barrierefreien Architekturkonzepten und weiß, was bei der Badplanung zu beachten ist. Nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, denn als Rollstuhlfahrerin gestaltet sie jeden Raum so, dass alle Menschen ihre Fähigkeiten optimal in ihm anwenden können.
 

Frau Fuss, Sie haben ein Badkonzept für Menschen entwickelt, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Was ist der Hintergrund dieser Idee?

Es gibt in unserer Gesellschaft ein steigendes Bewusstsein für barrierefreies Bauen, gerade auch, weil die Menschen immer älter werden. Die Idee des Bades ist, den Bedürfnissen einer eingeschränkten oder nachlassenden Mobilität von vornherein durch eine entsprechende Planung entgegenzukommen – statt später zu versuchen, sie durch Rampen, Griffe und andere Zusatzausstattungen einfach nur auszugleichen.
 

Es geht also um die Frage, was man wirklich braucht, um ein Bad möglichst lang möglichst selbstständig nutzen zu können. Was sind dabei Ihrer Erfahrung nach die entscheidenden Punkte?

Das beginnt schon beim Grundriss: Dusche und WC etwa sollten nach Möglichkeit nebeneinander geplant werden. Der Waschtisch kommt an die gegenüberliegende Wand. Auf diese Weise kann auf eine Duschabtrennung verzichtet werden, die eigentlich immer stört. Und wenn man mit dem Gesicht zum Raum duscht, wird das Bad auch nicht nass.
 

Eine offene Dusche klingt trotzdem erst einmal gewöhnungsbedürftig.

Ich sehe es so: Die bodenebene Dusche hat sich heute ja fast als Standard etabliert. Nicht nur, weil man schwellenlos in sie hineingehen kann, sondern auch, weil sie eine ästhetische Qualität hat. Genauso wird es mit der Duschabtrennung sein. Man kann sich ohne sie besser bewegen, und das Bad wird offener, einladender. Dazu kommt, dass es heute sehr gute Systeme zur Entwässerung gibt.
 

Das ist ein wichtiger Punkt, auf den wir auch immer angesprochen werden. Was für ein Ablaufsystem empfehlen Sie?

Mein Favorit sind Duschrinnen, weil sie auch große Flächen gleichmäßig entwässern können. Gerade in bodenebenen Duschen empfiehlt sich dabei, die Rinne direkt an der Wand zu installieren, damit das Wasser erst gar nicht den Weg in den Raum findet. Außerdem stellt der Ablauf so kein Hindernis dar.

Ein möglichst ebener Boden ist also auch eine Anforderung an ein barrierefreies Bad?

Wichtig ist vor allem ein rutschhemmender Bodenbelag. Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sie können sich zum Beispiel für Mosaikfliesen entscheiden, die schon durch ihren Fugenanteil eine gute Rutschfestigkeit bieten. Genauso gibt es moderne Feinsteinzeuge mit entsprechender Rutschfestigkeitsklasse in allen Optiken und Oberflächen. Sogar hochglänzende Fliesen in der Dusche sind möglich. Und auch die Fugen lassen sich kreativ mit einbeziehen, indem man zum Beispiel schmale Edelstahlschienen in sie integriert. Das sorgt nicht nur für eine zusätzliche Rutschhemmung, sondern sieht auch toll aus.
 

Nun haben wir eine bodenebene Dusche mit einem rutschhemmenden Belag. Ist dadurch das barrierefreie Bad perfekt?

Ein ganz wichtiger Aspekt sind noch ausreichend Sitz- und Stützflächen. Richtig geplant fügen sie sich ästhetisch ins Gesamtbild ein – vor allem auch, wenn man sie passend befliest. Für Duschsitze etwa gibt es entsprechende Unterbauten in ausreichender Tiefe und Breite, um sich bei Bedarf abstützen zu können. Ein extra Griff muss dann nicht mehr sein. Ähnliches gilt für andere Funktionsbereiche im Bad: Auf einem Waschtisch mit aufgesetzten oder eingelassenen Becken zum Beispiel hat man zusätzliche Flächen zum Auf- und Abstützen, so dass man auch hier keine Griffe mehr braucht. Und natürlich lassen sich überall die passenden Fliesen aufbringen.
 

Barrierefreiheit kann also richtig gut aussehen?

Na klar. Das ist alles eine Frage der richtigen Planung und Materialauswahl. Mit einem erfahrenen Architekten lassen sich da sehr schöne Ergebnisse erzielen – nebenbei auch auf wenig Raum, denn ein barrierefreies Bad muss kein Ballsaal sein.

 

Frau Fuss, vielen Dank für das interessante Gespräch.

www.con-fuss.de

Ursula Fuss, Geschäftsführerin des Architekturbüros c.f. Architekten in Frankfurt am Main.
Schwerpunkte ihrer Arbeit sind barrierefreies Bauen und die Entwicklung von barrierefreien Gesamtkonzepten für unterschiedliche architektonische Aufgaben. Zudem hält sie am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt Seminare zu barrierefreiem Bauen ab.
Kemmler Newsletter Frau Fuss

"Die bodenebene Dusche hat sich heute ja fast als Standard etabliert. Nicht nur, weil man schwellenlos in sie hineingehen kann, sondern auch, weil sie eine ästhetische Qualität hat."

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